Wann wird Mitwirkung zur Täterschaft? Geschlecht und Verantwortung in der SED-Diktatur
Vortrag im Rahmen des Fachgesprächs „Verantwortung und Täterschaft in den geschlossenen venerologischen Stationen der DDR“
26.9.2026, um 10 Uhr
Veranstaltungsort: Riebeckstraße 63, Leipzig, Seminarraum Haus 1
Wann wird aus Mitwirkung Verantwortung – und wann aus Verantwortung Täterschaft? Diese Fragen stellen sich mit besonderer Schärfe für jene Frauen, die in den geschlossenen venerologischen Stationen der DDR als Ärztinnen, Pflegekräfte oder administratives Personal tätig waren. Der Beitrag nimmt ihre Beteiligung zum Ausgangspunkt für grundsätzliche Überlegungen zum Verhältnis von Geschlecht, Handlungsspielräumen und (Mit-)Täterschaft in der SED-Diktatur. Dabei wird danach gefragt, ob und inwieweit institutionelle Hierarchien, begrenzte Entscheidungsmacht und geschlechtsspezifische Benachteiligung zur Erklärung individuellen Handelns beitragen – und wo sie in Entlastungsargumente umschlagen. Statt Verantwortung allein an formaler Macht oder unmittelbarer Gewaltanwendung festzumachen, plädiert der Beitrag für einen Blick auf konkrete Praktiken der Partizipation, Komplizenschaft und Systemstabilisierung. Weibliche Machtarmut, so die These, darf nicht mit Verantwortungslosigkeit verwechselt werden.
Mehr Infos zum Fachgespräch: https://riebeckstrasse63.de/veranstaltungen/
